Brunch im neuen Trauerhaus

An der Ecke Caspar-Baur-Straße / Trappstraße haben die Bauarbeiten fürs Trauerhaus des Beerdigungsunternehmens Keunecke begonnen. Freitag in einer Woche ist Grundsteinlegung. Im sanierten Alt-Bau wird ein Café eingerichtet. Von Klaus Nikolei

Jahrzehntelang war es in Wesel Tradition, dass nach einer Beisetzung auf dem Alten Friedhof die Familie des Verstorbenen zum Beerdigungskaffee in die nahe Schankwirtschaft Kamp an der Ecke Caspar-Baur-Straße / Trappstraße lud. Margit und Michael Keunecke, die Anfang 2007 bei einer Zwangsversteigerung den Zuschlag für das lange leerstehende Gebäude erhalten hatten, wollen diese Tradition Ende des Jahres wieder aufleben lassen. Bis dahin sollen die Bauarbeiten für das gut eine Million Euro teure Keunecke-Trauerhaus abgeschlossen sein. Freitag in einer Woche wird offiziell der Grundstein für den architektonisch reizvollen Neubau (Entwurf: Fred Störmer) gelegt.

Während der marode Anbau dem Abrissbagger zum Opfer fiel, haben sich Mutter und Sohn Keunecke entschieden, das bekannte Gasthaus stehen zu lassen und von Grund auf zu sanieren. Es soll den Namen „Himmel und Erde“ bekommen. „Hier wollen wir ab Dezember wieder Beerdigungskaffees abhalten und an Wochenenden auch zum Brunch mit hochwertigem Speiseangebot einladen“, erläutert Michael Keunecke (26) das Konzept. Etwas Ähnliches gebe es sonst nur in Großstädten. Den Gasthof Kamp kennt er übrigens seit Kindertagen. Schließlich war der frühere Wirt der Vetter seines 2004 verstorbenen Vaters Michael („Männi“) Keunecke.

Multifunktionshalle ist Herzstück

Zwar bekommt die Gaststätte einen modernen Anbau, so dass auch größere Gesellschaften mit (selbstgebackenem) Kuchen und Schnittchen bewirtet werden können. Aber die Keuneckes wollen dafür sorgen, dass durch sorgfältige Sanierung (Holzböden werden abgeschliffen und neu versiegelt) der Charme des Altbaus erhalten bleibt.

Herzstück des modernen Trauerhauses wird eine Multifunktionshalle sein. In ihr werden Trauerfeiern zur Einäscherung abgehalten. Außerdem gibt es zwei Abschiedsräume. „Sie haben separate Eingänge und können von den Angehörigen der Toten, denen wir die Schlüssel aushändigen, ganz individuell aufgesucht werden“, erklärt Bestattungsmeister Keunecke. Die neuen Büros im Trauerhaus ermöglichen dem Betrieb mit Sitz an der Monschauer Straße erstmals auch einen Lehrling einzustellen. Im Oktober startet bei den Keuneckes eine junge Frau ihre Lehre zur Bestattungsfachkraft. In dem 1993 gegründeten Unternehmen arbeiten neben dem Geschäftsführerduo noch die Büroangestellte Iris Niehues und als freier Mitarbeiter Albert Amerkamp.

Deutlich mehr Todesfälle

Dass sich die Großinvestition am neuen Standort rechnet, davon ist Michael Keunecke überzeugt. Schließlich wird die Zahl der Todesfälle aufgrund der Demografie in den nächsten Jahrzehnten deutlich steigen.

Quelle: RP, 6.5.2008

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