Dienstleister im Trauerfall

Zum 20-jährigen Bestehen des Bestattungshauses Keunecke spricht die RP mit Michael Keunecke über Beerdigungstrends und Traditionen.

Der Weseler Bestattermeister Michael Keunecke (31) kann es kaum fassen: Noch immer vergeht kaum eine Woche, in der er nicht von Jugendlichen und Erwachsenen auf die Trauerfeier für Fußball-Nationaltorhüter Robert Enke vor genau vier Jahren angesprochen wird. Als ausgebildeter Thantopraktiker hatte er damals einem befreundeten Bestatter bei der ästhetischen Herrichtung des Leichnams von Enke geholfen, der den Freitod gewählt und sich vor eine Regionalbahn geworfen hatte. Bei der bewegenden Trauerfeier am 15. November 2009 im Stadion von Hannover 96 trug Michael Keunecke einen Kranz aus Rosen in Herzform. Anschließend wurde der Sarg Enkes in Keuneckes stilvollem Mercedes mit Polizeieskorte zum Trauergottesdienst gefahren.

„Diese einmalige Sache, auf der ich auch in Fachkreisen noch immer angesprochen werde, gehört zweifelsohne zu den Höhepunkten unserer mittlerweile 20-jährigen Firmengeschichte“, sagt Michael Keunecke. Das Jubiläum hatten er und seine Mutter Margit zum Anlass genommen, für vergangenen Sonntag zu einem Tag der offenen Tür ins Trauerhaus an der Caspar-Baur-Straße einzuladen. Die Resonanz sei überwältigend gewesen, freut sich Dienstleister Michael Keunecke. Der Dozent im Ausbildungszentrum für Bestatter im fränkischen Münnerstadt verweist im RP-Gespräch nicht ohne Stolz darauf, dass das von seinem Vater Michael 1993 gegründete Unternehmen der einzige TÜV-zertifizierte Betrieb des Bestatterverbandes sei. „Das bedeutet, dass wir auch günstige Bestattungen – ab 2400 Euro – vornehmen und mit Angehörigen auf Wunsch auch über das Thema Finanzierung sprechen können.“ Auf die Frage, ob es wohl in 50 Jahren noch Erdbestattungen in Holzsärgen geben wird, erklärt Michael Keunecke, dass diese Tradition sicherlich weiterleben werde. Auch wenn der Trend eindeutig zu Feuerbestattungen und Beisetzungen in Stelen- oder Rasengräbern gehe.

Anders als heute dürfte allerdings in Zukunft die Zahl der „Gärten der Erinnerung“ zunehmen, wie es sie beispielsweise schon in Gelsenkirchen oder Duisburg gibt. „Das sind von Landschaftsbauern angelegte Parkanlagen mit Tischen, Sitzgelegenheiten und Skulpturen, in denen man sich zu Lebzeiten sein Reihengrab aussuchen kann, das dann von Friedhofsgärtnern gepflegt wird“, erklärt Keunecke.

Wie und wo möchte er selbst beigesetzt werden? „Ich möchte eine Erdbestattung auf dem Caspar-Baur-Friedhof.“ Das, und dass bei seiner Trauerfeier seine Lieblingsmusik laufen soll („Rolling Stones“), hat er längst schriftlich niedergelegt. „Das kann ich nur jedem ab 50 raten. Schaden kann’s ja nicht.“

Quelle: RP, 13.11.2013

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