Weseler an Enkes Sarg

Bestatter Michael Keunecke (27) aus Wesel begleitete gestern Robert Enke auf seinem letzten Weg von der AWD-Arena in Hannover bis zur Beisetzung. Ein Kollege aus Neustadt hatte ihn um Unterstützung gebeten. Von Bernfried Paus

Ein Weseler hat Sonntag den toten Nationaltorhüter Robert Enke auf seinem letzten Weg begleitet. Michael Keunecke (27) hielt das Herz aus weißen Rosen und ging dem Sarg voran, als der von Spielern des Bundesligisten Hannover 96 aus der mit 35.000 Menschen besetzten AWD-Arena herausgetragen wurde.

Keunecke saß auch auf dem Beifahrersitz des schwarzen E-Klasse-Mercedes mit dem Kennzeichen WES – UN 220. In dem Leichenwagen wurde der Sarg vom Stadion aus mit Polizei-Eskorte zunächst zur Kirche in Empede, gefahren, dem Wohnort der Familie Enke. Dort fand ein Trauergottesdienst statt. Schließlich war Keunecke dabei, als Robert Enke im engsten Familienkreis neben seiner Tochter Lara beigesetzt wurde.

Der 27-Jährige ist am Tag, nachdem sich der prominente Fußballer vor einen Zug geworfen hatte, von Tim Schustereit aus Neustadt am Rübenberg angerufen worden – „ein Freund und Kollege aus dem Bundesverband junger Bestatter“. Schustereit hatte den Auftrag bekommen, die Bestattung zu übernehmen und wusste, dass Michael Keunecke eine Ausbildung zum Thanato-Praktiker absolviert – Spezialisten, die auch einen stark entstellten Leichnam ästhetisch wieder herrichten können, um ihn aufbahren zu können.

„Wir haben eine ganze Nacht lang gearbeitet“, so Keunecke, „und es tatsächlich geschafft, dass sich die Familie zu Hause von Herrn Enke in Würde verabschieden konnte. Das war sehr wichtig.“

Obwohl er seine Aufgabe „mit aller Professionalität“ erledigt habe, sei ihm in Ruhephasen immer wieder die Frage in den Sinne gekommen: „Was mache ich hier eigentlich?“ Auch gestern hat Keunecke mit seinen Erfahrungen mitgeholfen, dass bei der Trauerfeier im Stadion, die von Millionen Menschen an den Bildschirmen verfolgt worden ist, „alles so korrekt lief, wie’s geplant war“.

Nicht nur die Schleifen des Kranzes der Nationalmannschaft, den Kapitän Michael Ballack und Per Mertesacker niedergelegt haben, mussten gerade liegen. „Wir mussten auf so vieles achten“, so der junge Weseler, der Teil eines Medienereignisses war. Er war zufrieden mit der Arbeit eines ganzen Teams an Bestattern.

„Absolut ergreifend“ sei die Feier in der Arena gewesen, sagt der Mann, dessen Beruf es ist, mit dem Tod umzugehen. Am bewegendsten sei für ihn der Moment gewesen, als Witwe Teresa Enke das Stadion betreten habe. „Alle haben sich von den Sitzen erhoben und ihr Beifall gespendet“, so Michael Keunecke über den für ihn besonderen Moment. „Das zu erleben, neben Beckenbauer und Völler, unglaublich, Wahnsinn, fast wie in einem Film.“

Quelle: RP, 15.11.2009

Bildquelle: Spiegel Online

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